\begin{song}{ title = {Wildgänse}, lyrics = {Walter Flex (1887-1917)}, composer = {Robert Götz (1892-1978)}, bulibull = 3, cl = 68, swa = 267, barde = 364, } % Auf nächtlichem Wachposten im Ersten Weltkrieg schrieb der % „Feldwandervogel“ Walter Flex 1915 den Text des Liedes - vielleicht irgendwie % ahnend, dass er selbst das Ende des Krieges nicht mehr erleben würde: Er % starb 1917 an der deutsch-russischen Front auf der Insel Ösel im heutigen % Estland. In seinem 1917 noch erschienenen Buch „Der Wanderer zwischen % beiden Welten“ beschreibt Flex selbst die Situation: „Ich lag als Kriegsfreiwilli- % ger wie hundert Nächte zuvor auf der granatenzerpflügten Waldblöße als % Horchposten und sah mit windheißen Augen in das flackernde Helldunkel der % Sturmnacht, durch die ruhlos Scheinwerfer über deutsche und französische % Schützengräben wanderten. Der Braus des Nachtsturms schwoll anbrandend % über mich hin. Fremde Stimmen füllten die zuckende Luft. Über Helmspitze % und Gewehrlauf hin sang und pfiff es schneidend, schrill und klagend, und % hoch über den feindlichen Heerhaufen, die sich lauernd im Dunkel gegenüber- % lagen, zogen mit messerscharfem Schrei wandernde Graugänse nach Norden. % Die verflackernde Lichtfülle schweifender Leuchtkugeln hellte wieder und wie- % der in jähem Überfall die klumpigen Umrisse kauernder Gestalten auf, die in % Mantel und Zeltbahn gehüllt gleich mir, eine Kette von Spähern, sich vor unse- % ren Drahtverhauen in Erdmulden und Kalkgruben schmiegten. Die Postenkette % unseres schlesischen Regiments zog sich vom Bois des Chevaliers hinüber % zum Bois des Verines, und das wandernde Heer der wilden Gänse strich ge- % spensterhaft über uns alle dahin. Ohne im Dunkel die ineinanderlaufenden % Zeiten zu sehen, schrieb ich auf einen Fetzen Papier die Verse: …“ \begin{verse} \chord{E}Wildgänse rauschen durch die Nacht / mit \\ \chord{H7}schrillem Schrei nach \chord{E}Norden. /: \chord{A}Unstete Fahrt, \\ habt \chord{E}acht, habt acht! / Die \chord{H7}Welt ist voller \chord{E}Morden. :/ \end{verse} \begin{verse} Fahrt durch die nachtdurchwogte Welt, \\ graueisige Geschwader! \\ Fahlhelle zuckt und Schlachtruf gellt, \\ weit wallt und wogt der Hader! \end{verse} \begin{verse} Rausch zu, fahr zu, du graues Heer! \\ Rausch zu, fahr zu nach Norden! \\ Fahrt ihr nach Süden übers Meer, \\ was ist aus uns geworden? \end{verse} \begin{verse} Wir sind wie ihr ein graues Heer \\ und fahr‘n in Kaisers Namen, \\ und fahr‘n wir ohne Wiederkehr, \\ rauscht uns im Herbst ein Amen! \end{verse} \end{song}