\begin{song}{ title = {Andre, die das Land}, lyrics = {Theodor Kramer}, composer = {Erich Schmeckenbecher}, bulibu = 280, cl = 36, barde = 20, } % Der Lyriker Theodor Kramer stammte aus einer jüdischen Familie und war % Sozialdemokrat – eine denkbar schlechte Kombination in Österreich zur NS- % Zeit. Alle seine Schriften landeten auf der „Liste des schädlichen und uner- % wünschten Schrifttums“ der Nazis, womit Kramer, der insgesamt über 12.000 % Gedichte verfasst hat, seine Lebensgrundlage verlor. Seine Heimat wollte er % zunächst dennoch nicht verlassen. Die Verzweiflung über seine Situation % brachte er im Juli 1938 in diesem Gedicht zum Ausdruck. Nur einen Monat % später versuchte er erfolglos, sich das Leben zu nehmen. 1939 entschied er % sich doch noch zur Emigration und gelangte nach England. 1957 kehrte er % nach Österreich zurück und starb nur ein Jahr später. Seine Gedichte gerieten % zunächst in Vergessenheit, doch die Vertonung einiger seiner Lieder durch % das Folk-Duo Zupfgeigenhansel trug zur Wiederentdeckung seines Werkes % bei. \begin{verse} A \chord{G}nd‘re, die das Land so sehr nicht l \chord{D}iebten, \\ wa \chord{e}r‘n von Anfang \chord{C}an gewillt zu g \chord{G}eh‘n. \\ I \chord{e}hnen - manche s \chord{C}ind schon fort - ist‘s \chord{G}besser, \\ ich doch müsste mit dem eig‘nen Mess \chord{D}er, \\ me \chord{e}ine Wurzeln au \chord{C}s der Er \chord{D}de dre \chord{G}h‘n. \end{verse} \begin{verse} Keine Nacht hab‘ ich seither geschlafen, \\ und es ist mir mehr als weh zumut; \\ viele Wochen sind seither verstrichen, \\ alle Kraft ist längst aus mir gewichen, \\ und ich fühl, dass ich daran verblut. \end{verse} \begin{verse} Und doch müsst ich mich von hinnen heben, \\ sei‘s auch nur zu bleiben, was ich war. \\ Nimmer kann ich, wo ich bin, gedeihen; \\ draußen braucht ich wahrlich nicht zu schreien, \\ denn mein leises Wort war immer wahr. \end{verse} \begin{verse} Seiner wär‘ ich wie in alten Tagen, \\ sicher schluchzend wider mich gewandt, \\ hätt´ ich Tag und Nacht mich nur zu heißen, \\ mich samt meinen Wurzeln auszureißen \\ und zu setzen in ein and‘res Land. \end{verse} \begin{verse} And‘re, die das Land so sehr nicht liebten, \\ war‘n von Anfang an gewillt zu geh‘n. \\ Ihnen - manche sind schon fort - ist besser, \\ ich doch müsste mit dem eig‘nen Messer, \\ meine Wurzeln aus der Erde dreh‘n. \end{verse} \end{song}