\begin{song}{ title = {Nachts steht Hunger}, note = {Die deutsche Jugendbewegung und insbesondere der Wandervogel hatten früh Kontakt zur russischen Kultur. Als Vorbild und Vermittler hatten die DonKosaken eine herausragende Stellung. Sie waren eine freie militärische Gruppierung, die in den Gebieten des Flusses Don lebten und sich gegen die bolschewistische Revolution (Oktoberrevolution 1918) wehrten und daraufhin als Staatsfeinde angesehen wurden. Sie lebten daraufhin im Untergrund oder flohen, um ihrem Tod zu entgehen. Die Sehnsucht nach Freiheit, aber auch Heimat, wurde in zahlreichen Liedern besungen. Durch Reisen nach Russland, aber auch Kontakte zu exilierten (Don-)Kosaken wurde Lied– und Gedankengut in die deutsche Jugendbewegung integriert. Dieses Lied versetzt in die Lage „weißer“ Kosaken (d.h. Kosaken auf Seiten des Zaren gegen die Bolschewiki), die durch den Sieg der kommunistischen Revolution ihre Heimat verloren haben und, in der letzten Strophe, in der Fremde sich singend ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Kaum zu erkennen ist hier das Vorbild der Don-Kosaken. Sie waren nicht nur sängerisches Vorbild vieler Bündischer, sondern (in historisch freilich einseitiger Betrachtungsweise) auch Opfer eines brutalen Regimes, so dass sie sich besonders nach 1933 zur Identifikation anboten.}, lyrics = {olka (Erich Scholz) aus: "Lieder der Trucht", 1934}, composer = {olka (Erich Scholz) aus: "Lieder der Trucht", 1934}, bulibull = 2, cl = 54, swa = 168, barde = 222, libock = 262, } \begin{verse} \chord{h}Nachts steht Hunger \chord{e}starr in unserm \chord{h}Traum, \\ e h Fis h \\ tags die Schüsse knallen her vom Waldessaum. \\ Elend hält mit \chord{A}den Kolonnen \chord{D}Schritt, \\ e h Fis h \\ und in Frost und Nebel ziehn die Wölfe mit. \\ h fis \\ Noch fliegt Russlands heiliger Adler, \\ \chord{G}Mütterchen, unser \chord{D}Blut gehört nur dir, \\ \chord{e}mag das rote \chord{h}Heer uns auch jagen, \\ Fis h \\ leuchtend steht noch immer das Panier. \end{verse} \begin{verse} Ach, dahin ist stolze Macht, \\ keine Glocken klingen durch die rote Nacht. \\ Postenschritte, keine Freiheit mehr, \\ hinter Stacheldraht steht stumm ein müdes Heer. \\ Einer singt die alten Lieder, \\ lockt uns Schwermut und Sehnsucht aus der Brust, \\ wild und trotzig klingt es wieder, \\ im Vergessen liegt die alte Lust. \end{verse} \begin{verse} Und als Heer, das keine Heimat hat, \\ ziehn wir ausgewiesen nun von Stadt zu Stadt. \\ Menschen kommen, hören unser Lied. \\ Weiter geht die Fahrt, der Ruhm uns sinnlos blüht. \\ Heimat, Heimat! summen die Chöre, \\ tausendfältig ersteht uns neu dein Bild, \\ Glockenläuten unsre Tenöre, \\ Orgelbässe klingen dumpf und wild. \\ Noch fliegt Russlands heiliger Adler ... \end{verse} \end{song}